Substitutionstherapie

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  • Der Methadonentzug ist ziemlich ähnlich, wie von Heroin oder von verschreibungspflichtigen Opioid-Drogen herunter zu kommen, aber die Intensität ist viel stärker und es dauert nicht weniger als 14 Tage, um die wichtigsten Symptome zu mildern.
  • Eine professionell kontrollierte Substitolabhängigkeit kann besiegt werden. 
  • Subutex ist der Handelsname für Buprenorphine.

Substitutionstherapie

Es gibt heute kein Land auf der Welt ohne Drogenprobleme. In China und in arabischen Ländern wird der Mißbrauch und die Verbreitung von Drogen (Narkotika, Suchtmittel) mit der Todesstrafe geahndet, doch gibt es auch dort Probleme. In der Schweiz oder in Holland, wo sich der Staat in das Recht des Menschen, über sein Leben zu bestimmen, praktisch nicht einmischt, gibt es für Drogenkonsumenten die Möglichkeit der Heilung. Sollte sich der Abhängige noch nicht dazu erntschieden haben, gibt es für ihn die Möglichkeit, Drogen nicht auf der Straße, sondern andernorts und unter kontrollierten medizinischen Bedingungen einzunehmen. Das vermindert den Grad der Abhängigkeit und ihre Risiken, nicht aber die Zahl der Abhängigen und verbessert nicht die Qualität ihres Lebens.

methadonEs gibt viele Theorien darüber, wie man dem Menschen, der in die Falle der Drogenabhängigkeit getappt ist, erretten kann. Die Substitutionstherapie ist ein Weg. Der Sinn dieser ist es, den physischen Normalzustand beim Menschen wiederherzustellen, ihm zu ermöglichen, einer Arbeit nachzugehen und sein Verhalten zu kontrollieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muß der Patient fortfahren, Opoide einzunehmen, unter Aufsicht und ohne Mißbrauch von Präparaten, deren Wirkung nicht derart euphorisierend ist. Diese Medikamente „beruhigen“ das Gehirn, der „Flash“ (wenn die Dosis des Opoids um ein Vielfaches verstärkt ist), und seine Effekte werden bis zur Entziehungskrise hin vermindert (wenn das Gehirn ohne diese Opoide „hungert“). Im Grunde genommen ist diese Idee nicht schlecht und macht Sinn, falls ein Übergang zum kontrollierten Einnehmen des Opoids geschaffen wird, so daß die Dosis allmählich verringert wird, mit der Absicht, gänzlich mit der Einnahme des Opoids aufzuhören. Leider hat diese Methode einige Scwachpunkte, die auch zu scwachen Ergebnissen führen.

1.Ein Miübrauch der Therapiepräparate ist möglich.

2.Die Einnahme von Opioiden von der Straße ist während der Therapie möglich.

3.Während der Therapie ist es manchmal notwendig, die Dosis der Opioide zu erhöhen und nicht zu vermindern.

4.Unbestimmte Dauer der Therapie.

5.Schwere physische Abhängigkeit infolge mehrjähriger Opioideinnahme unter Erscheinen eines langwierigen Entziehungssyndroms.

 

Substitutionstherapie Methadon

An der Lösung dieser Probleme hat in den letzten 30 Jahren eine Anzahl von Wissenschaftlern, Instituten und Pharmakonzernen anstrengend gearbeitet. Unter den ersten Präparaten für Substitutionstherapie befand sich Methadon, das bereits zu Hitlers Zeiten in Deutschland synthetisiert wurde. Dieses Präparat war von längerer Wirkung, wurde oral eingenommen, führte nicht zu großem Rausch und war stark genug, das Entziehungssyndrom zu blockieren. Man begann, Methadonprogramme weltweit anzuwenden. Auch erste Unzulänglichkeiten von Methadon traten in Erscheinung: Schläfrigkeit, Apathie, Einfluß auf Appetit und Leber, Gefahr vor Überdosierung, mögliche innere Infektionen, auch ist die parallele Einnahme von Heroin und Methadon möglich. Am wichtigsten ist aber die Unmöglichkeit für den Süchtigen, nach ein- oder zweijähriger Therapie Methadon schnell abzusetzen und drogenfrei zu bleiben.Das Entziehungssyndrom bei Methadon ist weit schwerer und dauert länger als bei Heroin. Die klassische Methode der Entgiftung mit Hilfe von Infusionen, Analgetika und Beruhigungsmitteln hat sich als nicht ausreichend gezeigt, den Patienten vor der Methadonkrise zu schützen. Entweder eine schnelle Entgiftung unter Anästhesie oder eine mehrmonatige Verminderung der Dosis ist vonnöten.So einfach es ist, mit Methadon zu beginnen, so schwer ist es, es loszuwerden. Dieses Problem hat zur Einführung eines neuen Präparates geführt – Buprenorfin.

 

Buprenorfin

Buprenorfin ist der Agonist-Antagonist opoider Rezeptoren. Das bedeutet, daß er gleichzeitg in der Lage ist, Effekte hervorzubringen, die jenen von Narkotika ähnlich sind – Analgesie, Verkleinerung der Augenlinsen, Atemarrest, Opstipation und gleichzeitig Kontrareaktionen – Schmerz, Durchfall, Bruchreiz, Gänsehaut, Tränenfluß, Gähnen und Niesen. Alles hängt von den Bedingungen, unter denen Buprenorfin eingenommen wird, ab. Sind die Rezeptoren nicht von Heroin oder Methadon „besetzt“, hat Buprenorfin eine positive Wirkung auf diese, wie ein Opiat. Sind die Rezeptoren vom hochpotenten Opiat eingenommen, entfaltet die antagonistische Komponente von Buprenorfen ihre Wirkung und es kommt zu einer Krise. Heute ist es das beste Präparat in der Substitutionstherapie. Es ist nicht so schwer wie Methadon, eine Überdosierung ist nicht möglich, es wird nicht gelagert und ist nicht hephatoxisch. Abhängige haben aber gelernt, es intravenös einzunehmen, um Euphorie zu erleben. Die Einführung von 2mg Nalokson in die Präparatszusammensetzung würde das Problem der intravenösen Einnahme beseitigen. Das modifizierte Buprenorfin mit Nalokson wurde Subokson genannt. Nur intravenös eingenommen löst es negative Reaktionen aus. Aber wie Heroin wird es mittlerweile von Drogenabhängigen durch die Nase eingenommen.

 

Substitol

substitolSubstitol stellt die größte Enttäuschung bei der Suche nach einem Ersatz für Heroin dar. In seiner Basis befand sich Morfin-Sulfat, ein starkes Opioid, das mit Hilfe von Mikrogranula kontrolliert freigesetzt wird und eine stetige Konzentration im Organismus erlaubt. Morfium selbst steht den natürlichen Neurotransmittern sehr nahe und wird von Patienten gut angenommen. Problematisch ist deren Wunsch nach immer höheren Dosen und die Abwesenheit von Kontrolle allgemein, es wird zwecks höherer Euphorisierung intravenös eingenommen. Viele Patienten sehen in Substitol eine Droge, nicht ein Medikament. Einmal eingenommen, wird es vom intravenös Drogenabhängigen als viel besser, reiner und stärker als Heroin angesehen, dem seitens der Dealer Paracetamol, Glukose oder Kalzium beigemengt werden können, hier aber ist die Rede von reinem Morfium, dessen Wirkung rund12 Stunden andauert. Eine neue Epidemie von Subsitolkonsum hat begonnen, da Substitolkapseln in Dosen für mehrere Tage verschrieben werden und Patienten alle Verantwortung für die Einnahme des Präparats übergeben wird. Grüne 120mg Kapseln weden in Österreich für 20 € gehandelt, rote 200mg Kapseln für 25€. Substitol kann auf der Straße besorgt werden, bei Dealern ist es beliebter als Heroin. Viele melden sich für ein Substitolprogramm an, nicht um sich von Heroin zu trennen, sondern um Kosten für die Beschaffung von Drogen zu senken, so daß sie die vom Arzt verschriebenen Kapseln konsumieren. Nach einiger Zeit wächst dieToleranz, sogar bei intravenöser Substitoleinnahme schwächt die Wirkung ab, und es ist notwendig, die Dosis zu erhöhen. Der Patient verlangt vom Arzt immer höhere Dosen und droht damit, im Falle einer Absetzung von Substinol, wieder mit dem Heroinkonsum zu beginnen. Der Arzt sieht sich gezwungen, die Dosis maximal zu erhöhen. Nach einiger Zeit ist auch diese dem Patienten zu wenig, und er fängt erneut an, Substitolkapseln auf dem Straßenmarkt zu erwerben. Wir hatten Patienten, die vor dem Entzug tägliche Dosen von 1600-1800mg Substitol intravenös einnahmen. Bei solch hohen Dosen verliert der Mensch völlig diesubstitol Selbstkontrolle; allein die Vorstellung, was nach der Wirkung des Morfiums und ohne neue Dosis aus ihm werden könnte, macht ihm Angst. Wie unangenehm der Heroinentzug ist, ist allgemein bekannt. Doch ist der Substitolentzug sehr viel schwerer – Schmerzen, Niesen, Brechreiz und Durfall werden schon nach einigen Stunden unerträglich, und die Krise dauert bis zu vier Wochen an. Einen ganzen Monat Entzug kann wirklich niemand aushalten. Erneut stehen wir vor zwei Möglichkeiten: entweder der ultraschnellen Entgiftung unter Anästhesie oder fünf-sechs Monaten allmählicher Herabsetzung von Substitol. Bei letzterer machen die Patienten stets einen Schritt vorwärts und setzen 200mg herab, nur um zwei Schritte rückwärts zu tätigen und die Dosis auf 400mg zu erhöhen. Eine ultraschnelle Entgiftung schützthundertprozentig vor der Krise, doch sind meistens zwei, drei Prozeduren und Zeit für die Normalisierung von Schlaf und Psyche notwendig. In dieser schweren Situation hat sich folgende Kombination als beste herausgestellt: Entgiftung, Ibogain-Therapie( um den Wunsch nach Drogen auszulöschen) und Naltrexon-Therapie(um einen Rückfall zu verhindern). Substitol ist eine Falle, in die viele kluge Menschen, die einen leichteren Weg weg vom Heroin suchten, getappt sind. Der Käse ist nur in der Mausefalle kostenlos. Die Abhängigkeit von Substitol ist weit größer und gefährlicher – seiner Falle zu entkommen ist viel schweriger als der Heroinfalle. Substitol und Schlafmittel sind heute in Österreich viel schlimmer als Heroin, Kokain, Marihuana, Haschisch oder Speed. Substitol hat andere Substanzen aus dem illegalen Konsum verdrängt, und die Verbrechensrate im Zusammenhang mit dem Mißbrach und Verkauf von Substitol ist unglaublich hoch.

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